Via Natura  Natur lesen lernen  NaturLese-Techniken

Techniken zum Lesen der Natur

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Herangehensweisen die Natur zu lesen. Am
wichtigsten ist jedoch die persönliche Einstellung des Beobachters: Offenheit gegenüber Unbekanntem,
Neugier auf Zusammenhänge und die Freude am Entdecken!

Im Anschluss finden Sie unvollständige NaturLese-Anregungen als Gedankenanstoß für Ihre
eigene Naturlesetätigkeit. Konkrete ortsbezogene NaturLese-Anleitungen enthalten die digitalen
Tourenbeschreibungen der einzelnen Etappen der Via Natura.

Landschaft lesen

Geländeformen:

Sanfte Trogtäler lassen auf Eistätigkeit schließen; Kerbtäler auf starken Wasserfluss.

Gestein:

Kalk entsteht durch Meeresablagerungen; Granit durch Vulkanismus im Erdinneren.

Quellen:

Geben Hinweise auf die unterirdische Bodenbeschaffenheit; vielfach menschliche Siedlungsorte im
Nahumfeld

Flüsse:

Wasserfarbe und -vegetation lassen auf die Wasserbeschaffenheit schließen; Uferböschungen
geben Einblick in den Untergrund; bilden vielfach den Weg der Besiedlung ab.

Kulturlandschaft lesen

Siedlungsorte:

Gesiedelt wurde GesGsiedelt wurde meist im Nahbereich der Lebensgrundlage (Viehzucht,
Ackerbau, Bergbau); meist an landschaftlich sicheren Orten mit gutem Klima.

Siedlungsformen:

Klar abgegrenzte, dicht gedrängte Siedlungen lassen auf gefährliches Umland schließen.

Ackerfläche:

Die Größe lässt auf Industrialisierungsgrad und Wohlstand schließen.

Burgen, Schlösser:

Wurden meist an wirtschaftlich oder strategisch wichtigen Knotenpunkten errichtet; demonstratives
Zeichen der Macht.

Galgen, Pranger:

Zeichen für Gerichtsbarkeit.

Flurdenkmäler:

Zeigen häufig alte Verbindungswege und –knotenpunkte an; vermitteln auch die Frömmigkeit der
Bevölkerung.

Flurnamen lesen

Flurnamen verraten sehr oft den Grund der Bezeichnung des Ortes. Entweder nach den
Besitzverhältnissen, der Funktion oder auch nach dem Aussehen. Der Wortstamm kann dabei auch aus
einer alten oder anderen Sprache stammen und gibt somit Einblick in die geschichtliche Entwicklung.

„Flur“:

Hieß früher die gesamte nicht besiedelte Landschaft; heute ein Synonym für Gelände.

„Tratte“, „Hud“:

Meist Gemeindeweide.

„Kuhalm“:

Meist Gemeindeweide.

„Kulm“:

Berggipfel; Kegelberg.

„Zeutschach“:

Vom slawischen „zizawa“ abgeleitet und bedeutet soviel wie „wasserreiche, sumpfige Gegend mit
saurem Gras“.

„Grebenzen“:

Hahnenkamm aus dem slawischen (Die Grebenzen verfügt über drei Berggipfel)

„Kreuzberg“, „Blasenkogel“, „Mühlsteinboden“, „See…“ usw. sind erzählende Namen

Architektur lesen

Die Architektur spiegelt Lebensgefühl, soziale Strukturen (Bauern, Bürger, Herrscher, Kirche) und
gesellschaftliche Strömungen (Sommerfrische, Jagd) der Errichtungszeit wieder.
Diese Informationen bleiben im Siedlungsbau besonders lange erhalten z.B. durch Straßenverläufe,
-breite, -namen. Speziell Neumarkt ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

Natur lesen

Spuren lesen:

Das Lesen von Tierspuren ist sicher eine der ältesten Lesetechniken.

Wetter lesen:

Früher lebensnotwendig, heute wichtig für die Freizeitplanung; Wolkenkunde; Natur als Wetterprophet
z.B. Blüten, die sich schließen; volkstümliche Wetterregeln wie z.B. Wetterberge,
Bauerregeln, Hundertjähriger Kalender.

Sterne lesen:

Zur Bestimmung der Zeit (Kalender) und der Orientierung (Polarstern, Kreuz des Südens).

Bionik – ein technischer Ansatz

Bionik ist das Erkennen und Nutzen von „Erfindungen der Natur“. Im Wesentlichen basiert die
Entwicklung der menschlichen Zivilisation auf dem teilweisen Abschauen von der Natur. Der moderne
Stand der Technik erlaubt aber heute viel genaueres Beobachten und somit häufigere technologische
Sprünge. Verblüffend ist in diesem Zusammenhang, dass viele unserer hoch technologischen
Lösungen auf simplen Naturbeispielen beruhen - so entfaltet zum Beispiel der Klatschmohn das
Sonnensegel eines Satelliten (Erklärung finden Sie in Etappe 1 der Via Natura) oder bringt den
Stadtplan in Ihre Hosentasche.

Als regionale Vorreiter dürfen Romuald Pramberger, Blasius Hanf und Lois Steiner betrachtet werden,
denn der erste Schritt zum Verstehen und Nutzen der Natur ist das intensive
Beobachten. Werden auch Sie zum Bioniker!

Das Wesen erkennen – ein philosophischer Ansatz

Beim Beobachten der Natur und dem Versuch, das Wesen der Dinge zu erfassen, lernt man auch
sehr viel über sich selbst. Viele Gesetzmäßigkeiten der Natur lassen sich auch auf unser persönliches
Leben übertragen und können dazu beitragen, ein erfüllteres Leben zu führen. Lassen auch Sie sich
inspirieren - werden Sie ein Stück Natur!

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