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Renaturierung des Schönwolder Moores: Warum in der Region Schaalsee alte Entwässerungsgräben verschlossen werden?

Das Schönwolder Moor im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee gehört zu den ökologisch wertvollsten Moorgebieten Mecklenburg-Vorpommerns. Es liegt nördlich von Rögnitz und östlich von Schönwolde und ist kein gewöhnliches Feuchtgebiet: Als einziges Regenmoor des Bundeslandes besitzt es im Hochmoorkörper noch einen nahezu ungestörten Schichtenaufbau. Genau diese Besonderheit macht das Gebiet zu einem wichtigen Standort für Moorforschung, Arten- und Klimaschutz.

Trotz seines vergleichsweise guten geologischen Zustands war der Wasserhaushalt über Jahrzehnte gestört. Entwässerungsgräben führten Wasser aus dem Moor ab. Damit sank der Pegel, der Torfkörper trocknete stellenweise aus und die Bedingungen für typische Hochmoorarten verschlechterten sich. Die Renaturierung, die 2024 und 2025 umgesetzt wurde, setzt deshalb an einem zentralen Punkt an: Das Wasser soll länger im Gebiet bleiben.

Warum Wasser für ein Hochmoor entscheidend ist

Ein Hochmoor wird überwiegend durch Niederschläge gespeist. Anders als ein Niedermoor erhält es kaum Nährstoffe aus dem Grundwasser. Damit sich Torf bilden und erhalten kann, muss der Boden über lange Zeit wassergesättigt bleiben. Fehlt Wasser, gelangt Sauerstoff in die oberen Torfschichten. Organisches Material, das unter nassen Bedingungen über Jahrhunderte konserviert wurde, beginnt sich zu zersetzen.

Das hat zwei Folgen. Erstens verändert sich der Lebensraum. Moorpflanzen verlieren Flächen, während Gehölze wie Birken oder Fichten leichter Fuß fassen können. Diese Bäume entziehen dem Standort zusätzlich Wasser und verstärken damit den Austrocknungseffekt. Zweitens wird im Torf gespeicherter Kohlenstoff wieder freigesetzt. Ein entwässertes Moor kann deshalb von einer Kohlenstoffsenke zu einer Quelle von Treibhausgasen werden.

Im Schönwolder Moor geht es bei der Wiedervernässung daher nicht darum, möglichst große Wasserflächen zu erzeugen. Entscheidend ist ein dauerhaft höherer und möglichst stabiler Wasserstand im Torfkörper.

Was mit den alten Gräben passiert

Die Entwässerung lässt sich nicht mit einem einzigen Damm rückgängig machen. Das Grabensystem beeinflusst verschiedene Teile des Moores und teilweise auch angrenzende Flächen. Deshalb besteht das Projekt aus mehreren aufeinander abgestimmten Eingriffen.

Zu den Maßnahmen gehören der Verschluss beziehungsweise die Umgestaltung von Gräben, der Bau von Verwallungen und Spundwänden sowie der Einbau von Stau- und Ablaufbauwerken. Ein östlich verlaufender Graben wurde auf höheres Gelände verlegt; rund 500 Meter wurden dabei neu profiliert. Dadurch kann der Zielwasserstand im Moor erreicht werden, ohne Wasser unkontrolliert in benachbarte Bereiche zu drücken.

Zusätzlich wurde ein sogenannter Dränteich angelegt. Er soll Nährstoffeinträge aus den umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen abfangen, bevor belastetes Wasser das empfindliche Moor erreicht. Gerade für ein nährstoffarmes Hochmoor ist das wichtig: Zu viele Nährstoffe fördern konkurrenzstarke Pflanzen und können typische Moorvegetation verdrängen.

131 Hektar sollen von höheren Wasserständen profitieren

Von der Renaturierung profitieren nach Angaben des Biosphärenreservatsamtes etwa 131 Hektar. Davon entfallen rund 43 Hektar auf Hochmoor und 88 Hektar auf Niedermoor. Damit reicht das Projekt deutlich über den eigentlichen Hochmoorkern hinaus.

Die Planungen begannen lange vor den sichtbaren Bauarbeiten. Bereits 2014 wurde eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Es folgten hydrogeologische Untersuchungen, Pegelmessungen, ein FFH-Managementplan, Genehmigungsplanung, Flächenabstimmungen und eine Biotopkartierung. Erst 2024 konnte die wasserrechtliche Genehmigung erteilt werden. Die eigentlichen Baumaßnahmen wurden 2024 und 2025 umgesetzt.

Der Aufwand zeigt, warum Moorrenaturierung oft viele Jahre benötigt. Ein höherer Wasserstand darf nicht isoliert betrachtet werden. Eigentumsverhältnisse, landwirtschaftliche Nutzung, Wege, Abflüsse und angrenzende Ortschaften müssen berücksichtigt werden. Im Schönwolder Moor wurden deshalb auch Flächen erworben und Bewirtschafter beziehungsweise Eigentümer in die Planung einbezogen.

Weniger Gehölze, mehr typische Moorvegetation

Parallel zur Veränderung des Wasserhaushalts wurden teilweise Nadelgehölze entfernt. Das hat nicht nur mit der gewünschten Landschaftsstruktur zu tun. Bäume erhöhen durch ihre Verdunstung den Wasserverlust eines bereits geschädigten Moores.

Langfristig soll sich wieder stärker eine für Hochmoore typische Vegetation entwickeln. Solche Veränderungen sind allerdings langsam. Ein Moor reagiert nicht innerhalb weniger Monate auf die Wiedervernässung. Entscheidend ist, ob sich der Wasserstand über mehrere Vegetationsperioden stabilisiert und ob die Torfzersetzung tatsächlich zurückgeht.

Auch für Tiere verbessert ein höherer Wasserstand die Bedingungen. Die Stiftung Biosphäre Schaalsee verweist unter anderem auf Kraniche, die das Gebiet zur Brut und Jungenaufzucht nutzen. Sinkende Wasserstände verschlechtern ihre Brutbedingungen und reduzieren geeignete feuchte Bereiche.

Klimaschutz beginnt unter der Oberfläche

Die Wirkung der Renaturierung ist oberirdisch zunächst wenig spektakulär. Statt eines neuen Sees entstehen vor allem feuchtere Böden, langsamere Abflüsse und ein stabilerer Wasserhaushalt. Klimatisch ist genau das entscheidend.

Solange Torf nass bleibt, wird organischer Kohlenstoff nur sehr langsam abgebaut. Trocknet er aus, beschleunigt Sauerstoff die Zersetzung. Mit der Wiedervernässung soll dieser Prozess gebremst und langfristig wieder natürliches Torfwachstum ermöglicht werden.

Das Schönwolder Moor ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass Klimaschutz in Schutzgebieten nicht nur durch Aufforstung oder den Schutz einzelner Tierarten stattfindet. Manchmal besteht die wichtigste Maßnahme darin, ein altes Entwässerungssystem außer Funktion zu setzen und dem Wasser wieder mehr Raum zu geben.

Wie es nach den Bauarbeiten weitergeht

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist die Renaturierung nicht beendet. Ab 2026 ist die Phase der Erfolgskontrolle vorgesehen. Pegelstände, Vegetation und Entwicklung der Lebensräume müssen über Jahre beobachtet werden. Erst diese Daten zeigen, ob die geplanten Zielwasserstände erreicht werden und wie sich Hoch- und Niedermoorflächen tatsächlich verändern.

Im gesamten UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee wurden bereits mehr als 1.500 Hektar Moorfläche renaturiert. Das Schönwolder Moor ist jedoch wegen seines erhaltenen Hochmoorkörpers ein besonders wertvoller Baustein dieser Arbeit.

Die alten Entwässerungsgräben zu verschließen bedeutet deshalb mehr als eine technische Korrektur früherer Eingriffe. Es ist der Versuch, einen selten gewordenen Wasserhaushalt wiederherzustellen. Ob das Moor langfristig wieder wächst, entscheidet sich nicht an der Oberfläche, sondern Zentimeter für Zentimeter im nassen Torf.

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